Dosenkiwi

[fast ohne Spoiler]

Wrocław

Als ich früher mit dem Nachtzug nach Berlin fuhr, hatte dieser einen Umkehrhalt im Bahnhof Wrocław Główny. Damals sah ich immer nur die rote Leuchtschrift, die den einfahrenden Zug begrüßt. Als sich nun ein paar freie Tage fanden, um auf der Heimreise von Berlin eine neue Stadt zu erkunden, kam mir Wrocław in den Sinn. Die Anreise war wegen Baustellen zwischen Berlin und Frankfurt/Oder dann mühsamer und vor allem länger als erwartet; es hat sich jedoch in jeder Hinsicht gelohnt.

Rathausplatz mit vielen schmalen Häuschen mit Ziergiebeln in verschiedenen pastelligen Farben, davor Gastgärten mit Markiesen darüber, auf dem Platz sind einige Personen unterwegs andere Seite des Rathausplatzes, links ein helles Gebäude mit hohen Fenstern und Türmchen, rechts eine Backsteinkirche mit einem hohen Turm, der von einer grünen Kuppel gekrönt ist

Zwei Dinge fallen in Wrocław wirklich jeder Besucherin ins Auge: Zwerge und Brücken. Die in der ganzen Stadt verteilten Bronzestatuen von Zwergen gehen auf eine Protestaktion gegen die kommunistische Regierung zurück und sind heute eine Tourist:innenakttration. In der Nähe des Rathauses gibt es ein eigenes Informationsbüro namens „Krasnal Info“. Ich habe immer wieder Kinder mit Sammelalben gesehen, in denen wohl verschiedene Zwergfunde dokumentiert werden können. Ich dokumentierte hingegen den Letterbox-Cache KESZEREK, ein Zwerg neben einer Ammo Can, der mit dem GPS in seiner Hand tatsächlich auf Geocaching verweist.

Metallstatue eines Zwergs mit einer Metallkiste mit einem Griff obendrauf, der Zwerg hält ein GPS-Gerät in der Hand

Das Wetter war angenehm für Stadterkundungsgänge. Am zweiten Tag fand ich einen Platz am Wasser, der sich ideal für eine Nachmittagsrast eignete. Wir erkundeten die Innenstadt kreuz und quer entlang der unzähligen Adventure-Lab-Stationen, ich sammelte Informationen über die unzähligen Earth Caches, die ich teilweise vorab übersetzt hatte, weil sie nur in polnischer Sprache vorlagen.

schwarzbrauner Hund liegt auf dem Boden mit Blick zur Kamera, im Hintergrund das historische Rathaus mit vielen dekorativen Türmchen und einer auffälligen Uhr

Neben den Zwergen spielen auch Brücken eine große Rolle. Ein Virtual nennt Wrocław Miasto 100 Mostów / The City of the 100 Bridges. Mir gefiel das Herumspazieren am Wasser, viele Brücken sind altmodisch dekorative Stahlkonstruktionen und werden trotzdem von Straßenbahnen befahren. Manche Inseln scheinen extra für touristische Zwecke geschaffen wie etwa Wyspa Daliowa, wo seit 2019 die Stahlskulptur Nawa von Oskar Zięta zu sehen ist.

metallisch glänzende Skulptur unter leicht bewölktem blauen Himmel, die Skulptur sieht aus wie eine Art Welle, in der Mitte können Besucher:innen durchgehen andere Perspektive von innerhalb der Skulptur, die verschiedenen Schichten der Skulptur sorgen für interessante Spiegeleffekte

Am Wochenende davor war ich erst auf dem Mueggelsee geschippert, da freute ich mich natürlich, auch auf der Oder Menschen in Kajaks fahren zu sehen. Hätte ich einen Tag mehr Zeit gehabt, hätte ich zumindest eine Fahrt auf einem der zahlreichen Tourist:innenboote in Betracht gezogen, um die Stadt auch vom Wasser aus zu betrachten.

auf einem Fluss zwei Kajaks mit jeweils zwei Personen in Warnwesten, dahinter am anderen Ufer sind drei Kirchtürme zu sehen schwarzbrauner Hund steht am Ufer eines Flusses, das grüne Geländer ist mit vielen Schlössern behängt, dahinter eine Brücke und zwei Kirchtürme

Im Universitätsviertel entdeckte ich überraschend einen Meridian. Über den genannten Designer Anton Jungnitz gibt es eine kurze Wikipedia-Seite, die ein Foto des Meridians aufweist, aber leider keine weiteren Informationen dazu hat. In der polnischen Version findet sich zumindest die Information, dass er 1791 die Sternwarte im „Leopoldina Mathematical Tower“ einrichtete, in diesem Zuge entstand auch der Meridian.

Linie zwischen Pflastersteinen auf dem Boden, beschriftet mit "MERIDIAN LINE – DESIGNED IN YEAR 1791 BY PROFESSOR LONGINUS ANTON JUNGNITZ"

Auf der Dominsel fand ich dann auch den Zwerg, der meine zweite Passion (das Lesen) symbolisiert: den „Gutenzwerg“ (danke an den Mitcacher für diese Wortspende) neben Büchern und Druckerpresse. Erst beim Schreiben des Alternativtextes für dieses Bild fiel mir das Lovelock an der Druckerpresse auf. Faszinierend, wo überall Schlösser angebracht werden, wo sie woanders (KESZEREK) regelmäßig wegkommen.

Metallstatue eines Zwergs neben einer Druckerpresse, der Zwerg hat drei Bücher hinter seinem Rücken und zeigt ein ausgerolltes Blatt Papier

imposante Backsteinkirche mit zwei hohen Türmen, die über einem dekorativen Portal gen Himmel ragen

Es waren drei spannende Tage in Wrocław. Die vielen kleinen Geschäfte, in denen ich mir morgens Kaffee in meinen Becher füllen ließ, Lebensmittel kaufte und in denen auch der Hund erlaubt war, haben mir das Leben enorm erleichtert. Da Wrocław eine wirklich sehr lebendige Geocaching-Landschaft hat, bleiben mir natürlich offene Baustellen und vieles, das ich nicht mal anfangen konnte. Wie es meistens so spielt bei der Erkundung einer völlig neuen Stadt.

Brunnen zwischen zwei Häusern, auf dem Brunnen steht eine nackte männliche Statue mit dem Rücken zur Kamera, mit der rechten Hand auf einen Säbel, die linke Hand in die Hüfte gestützt, dahinter blauer Himmel mit kleinen Wölkchen

Berlin: Mueggelsee

Letztes Jahr waren wir spontan auf dem Tegeler See Boot fahren. Nach anfänglichem Widerwillen hat der Hund das recht gut toleriert und wir haben beschlossen, das Boot fahren zu einer sommerlichen Tradition zu erklären. Über den Mueggelsee hatten wir auch schon länger nachgedacht. Wir amüsierten uns über „Rübezahl am Mueggelsee“ und als ich dann noch den Webcam Cache Globale Strahlung entdeckte, der nur vom Wasser aus erreichbar ist, gab es kein Halten mehr.

Blick auf den Teufelssee, ein von grün umgebener See mit vielen schwimmenden Seerosen nahe des Ufers Teufelsmoor, der Boden ist von hohen Gräsern bedeckt, dazwischen ragen einige kahle Birken in die Höhe

Nach der Anreise mit der BVG spazierten wir aber erst Richtung Teufelssee. Mich lockten die Earth Caches Berliner Urstromtal: Teufelssee und Mueggelberge, der Fotograf freute sich über den Aussichtsturm, den er leider allein besteigen musste, da Hunde nur auf der Haustierterrasse erlaubt sind. Auf der Suche nach den Informationen für die Earth Caches umrundeten wir den Teufelssee und das angrenzende Moorgebiet, das leider ziemlich trocken ist. Von den Stegen aus konnten wir aber deutlich die schwarze Moorerde sehen.

schwarz-brauner Hund schaut aus dem blauen Kajak übers Wasser, hinterm Kopf des Hundes das gelbe Paddel der vorderen Person

Nach einer Stärkung im wunderschönen Biergarten vom Rübezahl war es soweit und wir entschieden uns nach längerem Hin-und-Her für ein Kajak. Der Hund ließ sich widerwillig reinheben, hat sich aber deutlich schneller entspannt als bei der letzten Bootsfahrt. Der Mitarbeiter wies uns an wegen des Winds nicht direkt quer über den See zu fahren. Wir zogen also zuerst am östlichen Rand des Sees entlang. Schließlich konnte ich den Fotografen überzeugen, dass wir es schon schaffen würden bis zum Webcam Cache und wir steuerten gefühlt immer gegen den Wind bis wir schließlich die schwimmende Wetterstation im Blick hatten.

Webcam-Screenshot der Wetterstation, eine Art Floß zwischen zwei orange-schwarz gestreiften Pfeilern, links davor unser blaues Kajak Wetterstation, eine Art Floß mit einem weißen Container darauf, auf dem Dach sind Solarpanele angebracht

Erstaunlicherweise hatten wir auch auf dem Rückweg immer wieder gegen den Wind zu steuern, in nicht ganz zwei Stunden auf dem Wasser schafften wir es zurück zum Rübezahl. Ein schöner Tagesausflug, wir haben es sehr genossen!

Bad Ischl

Ein Geburtstagsgeschenk konnte ich dieses Jahr nicht ablehnen: mit der ÖBB Vorteilscard am Geburtstag gratis ÖBB fahren. In einem Gespräch mit erweiterter Familie ergab sich dann knapp davor die Idee, nach Bad Ischl zu fahren.

imposantes weißes, einstöckiges Gebäude, das Vordach wird von 8 Säulen mit goldener Verzierung gestützt, darüber das Wort „TRINKHALLE“ Fußgängerzone in strahlendem Sonnenschein, vor dem blauen Haus rechts im Bild hängen Flaggen (EU, Österreich, Bad Ischl und Regenbogen), alle Geschäfte sind von Markisen geschattet

Schon beim Aussteigen aus dem Zug schlug mir die Hitze entgegen. 32 Grad waren dann doch deutlich mehr, als ich mir für meinen Geburstagswandertag gewünscht hätte. Von Schatten zu Schatten wanderte ich mit dem Hund erstmal durch die Innenstadt, entlang mehrerer Adventure Labs, die neben der berühmten Konditorei Zauner auch noch andere süße Verführungen sowie Sehenswürdigkeiten zeigten. Wegen des Wherigos Lovely Bad Ischl (leider nicht abgeschlossen), hatte ich eine virtuelle Sachertorte dabei und konnte nicht zum Zauner gehen. Mir war aber sowieso nicht nach Süßem, es war einfach zu heiß.

Metallstatue auf einem Steinsockel, ein Jäger hält die Hand ans Ohr, als würde er lauschen, neben ihm schauen zwei große Jagdhunde in dieselbe Richtung Blick durch einen Blättervorhang auf einen Springbrunnen, der Brunnen ist von rosafarbenen Blumen umringt, darin sind drei weiße Statuengruppen

Da ich in Begleitung des Hunds unterwegs war, konnte ich die Kaiservilla nur von außen begutachten. Da meine Zeit begrenzt war, hätte ich aber vermutlich eh keine Ruhe dafür gefunden. Den Park rundherum durfte hingegen auch der Hund besuchen. So gelangten wir durch einige schweißtreibende Schritte bergauf zu einer Aussicht, von der auch der gegenüberliegende Siriuskogl, der im Buch vom Literaturcache eine Rolle gespielt hatte, gut sichtbar war.

Ausblick auf die Stadt Bad Ischl, im Vordergrund grüne Wiese und Bäume, dahinter die Kaiservilla und der Kirchturm, der Himmel ist blau mit ein paar Wölkchen

Auf der Wiese neben dem Marmorschlössl stehen zwei Häuschen auf Füßen herum: eine aktuelle Kunstinstallation von Jakob Lena Knebl:

Die beiden Hütten auf Hühnerfüßen, Glinda mit Besen und Elphaba mit Rauchfang, sind Jakob Lena Knebls Interpretation der Behausung der Waldfrau Baba Jaga, einer Sagenfigur, die im slawischen Raum weit verbreitet ist. Ursprünglich als mächtige, weise alte Frau verehrt, wurde sie durch das Christentum zur Hexe umgedeutet. In unseren Breiten lässt sich die Figur der Baba Jaga am ehesten mit der Hexe aus dem Märchen Hänsel und Gretel der Brüder Grimm vergleichen. (Jakob Lena Knebl, Glinda und Elphaba, 2026)

Kunstinstallation, zwei Häuschen auf Füßen auf einer grünen Wiese, die Häuschen sehen wir Scheunen aus

Marmorschlössl, ein Haus mit dekorativen Türmchen und Erkern, die Säulen des Vordachs sind von Efeu überwachsen, das Haus macht einen verwunschenen Eindruck

Vor der Fahrt gelang mir noch die Lösung des Literatur-Caches Royaler Mord, knifflig versteckt, aber nach einigem Schauen und Grübeln doch noch gefunden. Der Hund entschloss sich während der Wartezeit zu einer dramatischen Geste und ließ sich hechelnd auf die Seite fallen. Mit Erfolg: Ein Gast aus dem nahen Gastgarten hatte diesen Stunt beobachtet und kommentierte: „Jössas, die Batterie ist leer!“. Und brachte dem Hund dann frisches Wasser, das natürlich viel besser schmeckte als meins aus der Flasche.

Haus mir der Aufschrift „Weinhaus Restaurant Cafe“, die Balkone und der Rand des Dachs sind weiß dekoriert, es sieht aus, als würden dort Häkeldeckchen hängen

Dem D-Rating von 4,5 hätte ich vermutlich entnehmen können, dass es für Bahnhof Bad Ischl mit einem Puzzle nicht getan sein würde. Das erste Puzzle konnte ich auf der Fahrt dorthin gerade noch fertigstellen und wurde prompt mit einem Link zu einem weiteren Puzzle beworfen. Spannend fand ich auch die Koordinaten für den LAB-Bonus Brunnen in Bad Ischl, die sich deutlich außerhalb von Bad Ischl am Fuße der Katrin Seilbahn befinden. Die Gründe für einen weiteren Besuch in Bad Ischl oder generell in der Gegend sind also vielfältig, ich möchte ja auch mal mit der Schafbergbahn fahren. Irgendwann in nicht allzuferner Zukunft schaffen wir das hoffentlich.