Als ich früher mit dem Nachtzug nach Berlin fuhr, hatte dieser einen Umkehrhalt im Bahnhof Wrocław Główny. Damals sah ich immer nur die rote Leuchtschrift, die den einfahrenden Zug begrüßt. Als sich nun ein paar freie Tage fanden, um auf der Heimreise von Berlin eine neue Stadt zu erkunden, kam mir Wrocław in den Sinn. Die Anreise war wegen Baustellen zwischen Berlin und Frankfurt/Oder dann mühsamer und vor allem länger als erwartet; es hat sich jedoch in jeder Hinsicht gelohnt.

Zwei Dinge fallen in Wrocław wirklich jeder Besucherin ins Auge: Zwerge und Brücken. Die in der ganzen Stadt verteilten Bronzestatuen von Zwergen gehen auf eine Protestaktion gegen die kommunistische Regierung zurück und sind heute eine Tourist:innenakttration. In der Nähe des Rathauses gibt es ein eigenes Informationsbüro namens „Krasnal Info“. Ich habe immer wieder Kinder mit Sammelalben gesehen, in denen wohl verschiedene Zwergfunde dokumentiert werden können. Ich dokumentierte hingegen den Letterbox-Cache KESZEREK, ein Zwerg neben einer Ammo Can, der mit dem GPS in seiner Hand tatsächlich auf Geocaching verweist.

Das Wetter war angenehm für Stadterkundungsgänge. Am zweiten Tag fand ich einen Platz am Wasser, der sich ideal für eine Nachmittagsrast eignete. Wir erkundeten die Innenstadt kreuz und quer entlang der unzähligen Adventure-Lab-Stationen, ich sammelte Informationen über die unzähligen Earth Caches, die ich teilweise vorab übersetzt hatte, weil sie nur in polnischer Sprache vorlagen.

Neben den Zwergen spielen auch Brücken eine große Rolle. Ein Virtual nennt Wrocław Miasto 100 Mostów / The City of the 100 Bridges. Mir gefiel das Herumspazieren am Wasser, viele Brücken sind altmodisch dekorative Stahlkonstruktionen und werden trotzdem von Straßenbahnen befahren. Manche Inseln scheinen extra für touristische Zwecke geschaffen wie etwa Wyspa Daliowa, wo seit 2019 die Stahlskulptur Nawa von Oskar Zięta zu sehen ist.

Am Wochenende davor war ich erst auf dem Mueggelsee geschippert, da freute ich mich natürlich, auch auf der Oder Menschen in Kajaks fahren zu sehen. Hätte ich einen Tag mehr Zeit gehabt, hätte ich zumindest eine Fahrt auf einem der zahlreichen Tourist:innenboote in Betracht gezogen, um die Stadt auch vom Wasser aus zu betrachten.

Im Universitätsviertel entdeckte ich überraschend einen Meridian. Über den genannten Designer Anton Jungnitz gibt es eine kurze Wikipedia-Seite, die ein Foto des Meridians aufweist, aber leider keine weiteren Informationen dazu hat. In der polnischen Version findet sich zumindest die Information, dass er 1791 die Sternwarte im „Leopoldina Mathematical Tower“ einrichtete, in diesem Zuge entstand auch der Meridian.

Auf der Dominsel fand ich dann auch den Zwerg, der meine zweite Passion (das Lesen) symbolisiert: den „Gutenzwerg“ (danke an den Mitcacher für diese Wortspende) neben Büchern und Druckerpresse. Erst beim Schreiben des Alternativtextes für dieses Bild fiel mir das Lovelock an der Druckerpresse auf. Faszinierend, wo überall Schlösser angebracht werden, wo sie woanders (KESZEREK) regelmäßig wegkommen.


Es waren drei spannende Tage in Wrocław. Die vielen kleinen Geschäfte, in denen ich mir morgens Kaffee in meinen Becher füllen ließ, Lebensmittel kaufte und in denen auch der Hund erlaubt war, haben mir das Leben enorm erleichtert. Da Wrocław eine wirklich sehr lebendige Geocaching-Landschaft hat, bleiben mir natürlich offene Baustellen und vieles, das ich nicht mal anfangen konnte. Wie es meistens so spielt bei der Erkundung einer völlig neuen Stadt.
